Lieber Aljoscha
Ich schreibe dir aus einem tiefen Unbehagen. Meine Seele tut weh. Das mag jetzt etwas platt, überdreht und nichts sagend wirken - doch das ist die Empfindung derer ich den letzten Monaten unterlag. Der Ausdruck scheint aus einer schieren übermanntheit, die sich als Ratlosigkeit äußert, zu kommen.
Es ist mir etwas unangenehm meine Gefühle und Unzulänglichkeit mit meinem eigenen Leben umzugehen in dieser Offenheit vor dir innerlich zu entblößen. Kürzliche Enttäuschung geben mir aber keine andere Wahl, zumal ich nicht nur, um Trost zu finden, in dem Wissen gehört zu werden, sondern ich auch deinen Rat bezüglich einer Angelegenheit von dir ersuche. Bevor ich von der Angelegenheit spreche, möchte ich dir von einem kürzlichen Ereignis berichten.
Wie du vielleicht weißt bin gehe ich regelmäßig Mittwoch Abends zu den Treffen der neo-spirituellen Gemeinschaft in Friedenau. Seit einiger Zeit sehe ich dort ein Mädchen, oder besser gesagt eine junge Frau, die ich aufgrund ihres Auftretens absolut unwiderstehlich finde. Nun ist es so, dass ich nicht genau erklären kann wieso diese Anbiederung ihr gegenüber besteht. Jedenfalls haben wir uns kürzlich im Auftrag der wöchentlichen Gemeinschaftsaktion um die Pflege eines Rentners gekümmert. Lola, so heißt die junge Frau, und ich hatten dort die Aufgabe bekommen einen älteren Herren, sein genaues Alter kann ich nicht schätzen, doch seinem damaligen Zustand nach zu urteilen, war er kurz vorm sterben, den Nachmittag über Gesellschaft zu leisten.
Lola deren Gemütszustand hauptsächlich aus übertriebener Heiterkeit, die sich in einem dauer ätzenden, grinsenden und stets übertriebener Hilfsbereitschaft bestand, hatte nachdem sie die vom Zigarettenrauch vergelblichten Lamellen entwirrte, Quentins Kopfkissen neu gerichtet, und seine vor altersflecken ekelerregende Hand ohne schauder in ihre zärtlich, schön gepflegten Hände genommen.
Das Altersheim war ein alter Plattenbau der nach dem Krieg in kürzester Zeit aufgezogen wurde - im Sommer war es unausstehlich heiß und im Winter musste man unter drei Lagen kratziger Decken schwitzen. Die einzige Zeit in dem es sich in diesen Baulichkeiten aushalten ließ war Frühling.
Aber ich schweife ab. Der Tag von dem ich dir schreibe ist circa 2 Wochen her, Mitten im brühend, heiß, lebendigem Juli.
Wir waren also dabei Quentin den Rentner zu pflegen. Lola bat mich Wasser zu holen, sodass wir Quentin den Rücken waschen könnten. Ich machte mich auf den Weg eine Bettpfanne dafür zu holen. Ich ging den nordwest gerichteten und nach tot riechendem Flur, um nach einer blau gestrichenen Säule in einer kleinen menschen verlassenen, fensterlosen Altersheim Rezeption zu landen. Es war Mittagszeit. Mittagszeit hieß, dass die eine Pflegeschwester, ich glaube sie hieß Marina, oder Marianne, ist eigentlich egal wie sie hieß, jedenfalls war sie allein für den Haus Block C des Altersheim verantwortlich. Sie machte wie jeden Arbeitstag am fußläufigen Kiosk ihre Pause. Die Pause war täglich das selbe Ritual, Bockwurst mit zwei Plastiktütchen Senf, ein Pappbecher Filterkaffee der nach der Wurst mit exakt 3 Zigaretten, die pedantisch nacheinander, die erste beim Kaffee Eingießen, die zweite nach circa der Hälfte des getrunkenen Becher gemeinschaftlich mit dem Kioskbesitzer, die sich über die weltlichen Belanglosigkeiten also über nichts unterhielten, und die dritte nachdem der restliche Schluck Kaffee bereits kalt geworden, aufgeraucht wurden. Ich suchte deshalb einfach in der Abstellkammer hinter dem hölzernen Rezeptionstresen und fand sogar sehr schnell eine metallene Bettpfanne.
Als ich in das Zimmer 402, im vierten Stock durch die Tür kam traf ich auf Lola deren Bluse bis zum Bauchnabel aufgeknöpft war. Sie kauerte über dem Waschbecken mit Tränen die Wangen herunter kullernd. Ihr Oberkörper war etwas über das auf Hüfthöhe angebrachte Waschbecken gebeugt, sodass ich ihre weichen, pfirsischförmigen mit kleinen rosa Nippeln gezierten Brüste sah. Ihr Bauch war straff, der Bauchnabel tief und schön. Ich sah weg nachdem ich mich erinnerte ein aufrichtiger Mann zu sein.
Ich räusperte mich und Lola erschrak, richtete sich auf, sah mich durch den Spiegel an, wischte sich mit einer festen Gestik die Wangen, drehte sich zu mir und zog erst dann ihre Bluse, wie Theatervorhänge zu.
Wir schwiegen. Die Tür fiel hinter uns automatisch wieder ins Schloss. Das Bett war wüst. Quentin nicht mehr drin. Quentins grauhaarige Katze sprang vom Nachttisch aufs Bett und schaute mich mit einem quer gelegten Gesichtsausdruck an.
“Alles okay bei dir?”, fragte ich dann doch.
“Er hat mich angegangen.”, schluchzte sie.
“Quentin?”
“Quentin.”
Ich konnte es kaum glauben dieser dem Todgeweihte konnte doch nicht mal selbst aus seiner babyblauen, abgekauten Schnabeltasse trinken.
“Wo ist er?”
Sie zeigte auf den Boden hinter dem elektrisch höhenverstellbarem Bett. Mit der leeren Bettpfanne in der Hand ging ich zu Lola und sah den Körper Quentins mit dem Gesicht auf dem Boden liegen.
“Ist er tot?”
“Was weiß ich denn?”
“Ok ok. Wir müssen die Mariana anpiepsen.”
“Nein.”
“Was?”
“Nein nicht Mariana. Wir müssen ihn erstmal zurück ins Bett legen.”
“Sicher?”
Ich stellte die Pfanne aufs Bett neben die Katze und beugte mich in Richtung Quentin. Er lag ziemlich ungünstig da, das nach hinten geöffnete mit blauen Muster besticktem Krankenhemd entblößte seinen pickeligen Po. Er lag komplett platt auf dem Laminatboden. Etwas Blut war an seinem Zeh zu sehen, das aufgrund des Aufpralls mit seinen langen gelben Zehennägeln wohl etwas aufgeplatzt war. Er muss schon bewusstlos gewesen sein, als er vom Bett fiel dachte ich dabei. Ich ekelte mich doll und nahm eine Hand vor den Mund.
“Du brauchst dich nicht ekeln”
Ich sah sie missverständlich an.
“Das ist schon krass.”
Ich überwand mich, trat über ihn und ging zu seinem Kopf, alles was ich sah war zwei leblose Augen auf den Boden starren. Er war tot.
Nachdem wir ihn zurück ins Bett hoben, kam Lola zu mir und wollte in meine Arme genommen werden, ich tat wie gewollt und merkte ihre Brust an meiner, sie drehte sich nicht weg sondern drückte sich förmlich auf mich, so wie vertraute es tun, da merkte ich dass sie ihren Kopf hob und mich küsste.
Nachdem wir Marina kontaktierten ging alles recht schnell.
“Alles wie immer” sagte sie mit ihrem Berliner gleichgültigen Akzent.
Der Herr wurde im Bett auf den Flur mit dem Aufzug in den Keller gebracht - Am Aufzug entlass uns die kleine Pflegerin mit einem beiläufigen “das gehört nunmal dazu”.
Nun ist der Brief den ich dir schreibe doch lang geworden. Ich habe anfangs von einer Angelegenheit berichtet, aufgrund dessen mich das Unbehagen her rührt. Seit dem Tod von Quentin habe ich Lola nur ein weiteres Mal Mittwochs nach der Meditation im Zentrum beim Spazieren zur S-Bahn gesehen. Sie trug ein hell-weißes Sommerkleid und stand wie versteinert vor einer roten Backsteinkirche, die inmitten der Straßenkreuzung am Friedenauer U-Bahn Haltestelle ruht. Ich hab sie nicht angesprochen, ihre Heiterkeit scheint wie Quentin im Verbrennungsofen verloschen.
Sollte ich mich nach ihr erkundigen? Ist es komisch dass die Polizei nicht informiert wurde? Was soll ich tun?
Ich bitte um deine Einschätzung.
Herzlich, dein Sossima.
“Hey”
“Hallo du.” antworte Lola. Mir fiel auf, dass sie so ernst und in sich gekehrt viel attraktiver auf mich wirkte. Sie trug eine Jeans, T-Shirt und New-Balance 574 Sneaker, alles in mitternacht schwarz.
“Wie geht's dir?”, fragte ich.
“Die Kirche ist so schön mit ihren blau-roten Fensterglas.”
“Stimmt.”
“Sieh mal wenn die Sonne durch die Wolken kommt und etwas Zeit hat, leuchtet die Kirche.”
Sie sagte das alles mit ihrem Blick auf die längs laufenden, in oval rund endenden klassischen Kirchenfenster starrend.
“Ist alles ok bei dir?”
Jetzt drehte sie sich das erste mal zu mir. Ich fand das schwarz passte gut zu ihren dunkel braunen Haaren, außerdem fiel mir auf, dass sie bereits vereinzelt graue Strähnen hatte. Ihre schulterlangen Haare trug sie fest zurückgebunden. In ihrem Blick lag etwas theatralisch dramatisches.
“Ja.”, antworte sie schließlich nachdem sie ihre braunen Augen von mir, auf den Boden richtete.
“Okay, also ich. Das letztens…”, versuchte ich.
“Ich kann nicht. Ich muss mal los.” sagte Lola und drehte sich um zu gehen.
“Warte mal.”
Sie drehte sich nochmal und sagte ernst “Wenn du magst, können wir uns morgen Nachmittag sehen.”
“Okay ja.”
“Ich wohne in der Schmiljanstraße 08. Ich bin ab 16 Uhr zuhause.” sagte sie und ging.
Ich nahm mein weißes Iphone aus der Hosentasche und sah bei google Maps nach, die Schmiljanstraße 08 war nur 2 Minuten von hier. Ich öffnete außerdem diverse Apps ohne zu wissen was ich eigentlich wollte. Schüttelte meinen Kopf schloß alle Apps wieder und ging auf die urbane Sport App, ich hatte den Nachmittag nichts vor und beschloss mich bei Miras Pilates ausgiebig auszupowern.
Die Stunde bei Mira war so gut und sie so schön, dass ich sie danach ansprechen wollte, doch dazu kam es nicht, da sie in ein Gespräch mit dem Manager des Studios verwickelt war und ich entschied dort nicht mit meinem Approach zwischen zu funken.
Ich googelte sie und fand heraus, dass sie neben ihrer wöchentlichen Pilates Stunden in diversen Berliner Studios auch Model, unter anderem für Unterwäsche war.
Ich hab mich vor mir selbst geekelt soviel über die öffentliche Person direkt zu erfahren - mich wie ein voyeur nur als wissender ohne erlaubnis zu wissen. Ich schloß wieder alle Tabs und ging den Abend mit Cola Bier und guten Freunden im Prinzenbad beenden.
“Du magst also Frank Sinatra?”
“Wieso?”
“Das ist doch…”
“That’s life!”, platzte Lola aus sich heraus, klatschte in die Hände und wurf ihren Kopf übertrieben nach hinten.
“Ja na klar! Magst du was trinken?” fragte sie, als sie schon auf dem Weg in ihre Küche war, während Frank Sinatras That’s Life etwas zu laut über die Wohnzimmerboxen schepperte.
“Alkohol oder Tee?” rief sie gegen die Musik.
“Tee bitte.”
“Weißt du,” hörte ich gerade noch unter anstrengung sie aus der Küche, wie sie eigentlich mit sich selbst sprach “sowas habe ich mir bei dir schon gedacht - du kriegst meinen special tea.”
Sie kam mit einem weiß melierten Teeservice sehr schnell zurück, als hätte sie bereits alles vorbereitete. Sie stellte das Service auf ihren großen Holztisch und stellte sich nah neben mich.
“Lolas specialy. Setz dich.”, sagte sie sehr queer während sie einen der midcentury teak designer Holzstühle zurückzog um mich zu platzieren.
“Ach weißt du, ich liebe diese Platte”, dabei ging sie zu der Anlage die neben den gelb gestrichenen Fensterrahmen auf einer teuren Kommode die Platte abspielte. Sie setzte die Plattenspielernadel nochmal zurück und drehte weiter auf. Dann hob Lola ihre beiden Arme weiblich und gracil in die Luft und sah mich verspielt mit wackelnden Hüften an.
“Komm!”
Ich grinste über beide Ohren. Ihre Selbstsicherheit fand ich in dieser Stadtvilla aus den 20ern angemessen.
“Was?”
Sieh kam auf mich zu und nahm mich bei der Hand.
“Tanz mit mir.”
Sie zog mich rauf und ich spielte mit. Ich nahm sie bei der Tallie und gab ihr einen sanften Stoß sodass sie sich drehte, um wieder in meinen Armen zu landen. Ich hatte nie tanzen gelernt aber trotzdem bewegte ich mich wie aus endlosen Tanznächten in dubiosen Technoschuppen, mit ihr wild auf ab und in jegliche Richtung.
“Ich liebe das Leben.”
“Ich hasse es größtenteils.”
“Warum?”
“Manchmal ist mir wie übel.”
“Wann ist dir so?”
“Ach das kann bei den einfachsten Dingen sein. Eine verpasste Gelegenheit. Die U-Bahn. Die Fülle. Menschen. Das Alter. Amerika.”
“Hm ich glaube,” begann sie während wir in unseren Armen auf ihrer weißen Couch lagen, “ich hab das auch.”
“Wofür bist du dann noch dabei?”
“Wobei?”
“Am Leben.”
"That's life.” hauchte sie verspielt nach kurzem überlegen herausfordernd entgegen.
Ich nahm an, ihren Kopf mit meiner linken Hand, alles ging langsam, ich glaube sogar die Sonne funkelte durchs Glas auf ihre Wange, das ich ihre Augen ruhig ansah - tiefes haselnuss braun, dann küssten wir uns.
Doch der Kuss fühlte sich an als hätte ich einen alten Herrn geküsst.
“Sorry ich muss gehen.” sagt ich mit Übelkeit im Magen.
“Was hast du Junge?”, patzte es aus Lola.
“Das ist einfach alles weird.”
“Alles gut.”
“Was meinst du denn jetzt?”
“Ach egal.”
“Der Tod hat mich neulich auch mitgenommen.”
“Was?”
“Quentin.”
„Du glaubst doch nicht etwa…“
„Nein, nein.“ Aljoscha schüttelte wie er das sagte seine Hand und rückte seine indigoblaue Krawatte, auf der kleine gelb und graue Elefanten bestickt waren, am kragenansatz wieder zurecht. Wir saßen seit ein paar wenigen Minuten im Café der blauen Stunde. Die Tische und Stühle waren aus billigster Plastik. Die Sonne knallte. Es war Dienstag 11:30 einer gewöhnlichen Arbeitswoche, trotzdem haben wir nur gerade so einen der wenigen Plätze bekommen.Einer der Gründe warum ich die Stadt noch nicht verlassen hab ist ihr mediterraner Flair, den die grotesken dem Hedonismus von 4 Tage Woche bis Winter im neo-kolonialismus Übersee - verfallenen Stadtmenschen ausstrahlen.
Glücklicherweise hatte der Besitzer Matze kürzlich bunte, wie man sie an sizilianischen Steinstränden sonst findet, Sonnenschirme aufgestellt.
„Denkst du sie ist gefährlich?“
„Das kann ich dir nicht beantworten. Was denkst denn du?“
„Ich weiß nicht.“
„Warum ist es dir wichtig?“
„Ich, ich denke, ich mag sie.“
„Dann find es heraus.“
Oft weiß ich gar nicht wieso ich so sehr an Aljoscha hänge, denn seine Ratschläge und Meinungen meistens auf - das musst du schon selbst herausfinden und auf dem beharren darauf, seiner eigenen Wahrnehmung Vertrauen schenken zu sollen.
Ich sehnte mich oft nach einfacheren und anwendungsbezogenen Lösungen, doch vllt mochte ich genau wegen Aljoschkas Drang zur Selbsterkenntnis darauf ihm bei den wichtigsten Angelegenheiten zu kontaktieren.
Mein Kamillen tee kam in einem halsigen Glas und zwei süße Biscoff Kekse waren auf dem weißen unterteller mit goldenem Rand drapiert- Aljoschka trank Wasser avec Gas und einem Spritzer frischer Zitrone. etwas das er überall bestellte und sich jedesmal über die Varität der Cafés in Darstellung und Umsetzung erfreute.
“Alter!”
“Was gibts?”
“Das ist so crazy. Die steht vor meiner Tür!”
“Wer? Äh Lola?”
“Ja.” hauchte ich in mein weißes an der Küchenwand befestigte Kabel-telefon, dass ich mir kaufte als ich herausfand, dass in meinem Internet Vertrag ein fester Telefon Kabelanschluss im Preis inbegriffen war - außerdem fand ich es war eine nostalgische Erinnerung an Zeiten, die ich eigentlich gar nicht kannte.
“Das ist ultra krank! Und die starrt einfach nur gegen meine Hauswand!” setzte ich nach als Aljoschka nichts antwortete. Ich wohnte im vierten Stock eines Plattenbau und Lola stand im Sommer Nieselregen mit ihrem weißen Sommerkleid vor dem Treppenabsatz der Wohnanlage.
“Das ist wirklich komisch. Wie lange steht sie denn schon da?”
“Keine Ahnung, ich hab sie vor 10 Minuten dort gesehen.” hauchte ich weiter ins Telefon. Die Lichter in der Wohnung waren bereits aus, denn es war Sommer und ich genoss die Abendstunden nach 9 im wolkig regnerischen und dramatischen Licht.
“Deine Chance du fandest sie doch so toll!”
“Alter das ist abnormal.”
“Vielleicht hat sie einfach nur Bock.”
“Come on - Kannst du mal bitte wieder konstruktiv sein? Sollte ich die Polizei anrufen?”
“Haha what? nein geh doch einfach zu ihr raus.” sagte Aljoschka gleichgültig.
“Uff i don't know”, der Hörer rauschte, “okay i ll go.”
“Enjoy!”
“Du auch!”
Ich hing den Hörer in die Plastik Vorrichtung. Ging vor zum Fenster. Sie stand in ihrem mittlerweile komplett durchnässten Kleid,ihre Haare ungekämmt und teilweise nass in ihrem Gesicht runter hängend. Sie stand noch genau an der selben Stelle direkt vorm Bürgersteig meiner Plattenbauwohnung - ich trat vor und sie starrte direkt rauf durch mich - ihr Blick blieb aber trotzdem teilnahmslos, wir starrten beide einen Moment und dann ging sie sehr rasch die Straße zurück.
“Well thats weird.”
“Ja sorry, da kann man leider nichts machen.”, sagte Mira nach der Pilates Stunde nachdem ich sie nach ihrer Nummer fragte und sie mir erklärte dass sie keine Schüler datete.
Am nächsten Nachmittag fuhr ich wie abgemacht wieder mit der Straßenbahn zu Lola. Ich hörte Westermann und hatte unbehagen - was genau wollte ich eigentlich von dem Treffen? Ich fühlte mich irgendwie für sie Verantwortlich und nach dem Tod von Mr Quentin schien es angemessen sich bei ihr auch verbindlich zu zeigen. Es wäre gelogen wenn mir der Tod dieses Rentners egal gewesen wäre. Letztendlich ist der Tod nie egal, und betrifft einen höchst persönlich. Dazu kam ja auch noch, dass sie scheinbar von ihm angegangen wurde - ihre komplette Bluse war auf - ich wollte ihr dazu auch irgendwie meinen Beistand leisten.